Mittwoch, 2. März 2016

Rezension | "Blackout" von Jonathan Kellerman


Weltbild-Sammleredition | Hardcover | 574 Seiten
Originaltitel: When the Bough Breaks (1985)

Inhalt
_________________

Ein Selbstmord und ein Doppelmord schrecken die Bewohner von Los Angeles auf. Ein kleines Mädchen könnte die Fäden zusammenknüpfen, doch nur wenn der Psychologe Alex Delaware ihm helfen kann, sich an die schrecklichen Dinge zu erinnern, die es gesehen hat. Als Delaware sein Ziel endlich erreicht, zeigt sich die Polizei merkwürdig desinteressiert, und der sensible Psychologe gerät in ein Netzwerk des Bösen …

Meinung
_________________

Ich habe wirklich eine Weile darüber nachgedacht, wie ich Blackout bewerten soll.

Der Fall ist gut erdacht, die Aufklärung ist logisch und obwohl es kein klassischer Krimi mit vielen Action- und "Spannungs"elementen ist, sondern eher auf das langsame Entblättern einer komplexen Geschichte mit psychologischen Dramen ausgelegt ist, war es doch spannend und ich wollte wissen, was Delaware als nächstes entdecken wird und wie er weiter vorgehen wird, um den rätselhaften Fall, der ihn so in seinen Bann zieht, zu lösen. Die Geschichte wirkt dabei nicht konstruiert, sondern ergibt Sinn; die Auswirkungen der Vergangenheit auf heute sind tragisch, aber folgerichtig und die Wendung am Ende hat mich positiv überrascht. Generell war es interessant, über die "Bösen" viele Details zu erfahren und zu sehen, wie der Psychologe so das Gesamtbild zusammen setzt. Die Auflösung ist dann auch sehr gut gelungen, das Ende ist rund - und ganz zum Schluss wird dann noch eine kleine Bombe rausgehauen, die aber auch gut in die Geschichte passt und Sinn ergibt.
Delaware selbst ist hierbei sympathisch und wirkt sehr kompetent, ist dabei aber keineswegs perfekt. Im Gegenteil, er handelt oft auch unüberlegt, agiert in einer heftigen Grauzone und handelt auch moralisch falsch, was ihn menschlich wirken lässt. Auch die Nebenfiguren sind interessante Charaktere, wenn auch ein wenig Klischee-behaftet, was mich aber gar nicht gestört hat. Sie passen in die Geschichte und geben ihr die nötigen Ecken und Kanten, ihre Interaktionen waren interessant und gerade bei den Personen, die er über den Fall kennen lernt, fragte ich mich unweigerlich, was derjenige nun für Dreck am Stecken hatte.
Allerdings habe ich nicht wirklich mit dem Helden mitgefiebert und war auch emotional nicht an die Opfer gebunden. Ihre Situation war schrecklich und sie taten mir leid, doch ich habe nicht mit ihnen mitgelitten und gebangt. Ich weiß nicht, woran es lag - vielleicht daran, dass der Fokus eher auf den Ermittlungen Delawares und seinen Enthüllungen lag.

Ein wenig gestört hat mich auch, dass sehr viele Figuren als äußerlich abstoßend geschildert wurden und zwar mit recht harten Worten, aber darüber kann man noch hinwegsehen, da eigentlich alles die subjektive Sicht des Psychologen zeigt.
Mein größtes Problem war, wie leicht es Alex fiel, sich als jemand auszugeben, der er nicht war. Die Geschichte spielt in den 1980ern und ich habe keine Ahnung, ob es für die damalige Zeit realistisch war, aber als er immer und immer wieder an eigentlich geheime Informationen kam, indem er einfach behauptete, jemand anders zu sein oder sich unerlaubt Zugang zu den Akten verschaffte, indem er jemanden ablenkte, habe ich mich schon gefragt, ob er nur von Stümpern umgeben ist. Dass er an die Akten kommt ist noch recht realistisch und ich bin mir sicher, dass man als Arzt relativ einfach Akten klauen könnte, wenn man es darauf anlegen würde. Aber die Gespräche mit den Leuten, denen er eine andere Identität vorgetäuscht hat... Sie wollten großteils nicht einmal seine Papiere sehen und selbst wenn sie merkten, dass seine Geschichte nicht stimmt, erzählten sie ihm (nachdem er die Wahrheit gesagt hatte) trotzdem alles, weil sie ihm glaubten und vertrauten... Natürlich muss der Psychologe an Informationen kommen, um den Fall weiter bearbeiten zu können, aber das ging mir persönlich dann doch zu glatt.

Fazit
_________________

Trotz dieser Kritik ist das Buch keineswegs schlecht, auch wenn spätere Teile der Reihe mir besser gefallen haben. Wenn man davon absieht, dass dem Protagonisten alles viel  zu leicht zu fallen scheint, ist der Fall gut durchdacht und interessant; generell kann ich die Reihe allen empfehlen, die psychologisch ausgelegte Krimis mögen.
★★★ 3/5 Sterne

Reihenfolge der "Alex Delaware"-Bücher
_________________

Blackout / When the Bough Breaks (1)
Flüchtig! /Blood Test (2)
Jamey - Das Kind, das zuviel wusste / Over The Edge (3)
Sharon, die Frau, die zweimal starb / Silent Partner (4)
Time Bomb (5)
Säure / Private Eyes (6)
Exit / Devil's Waltz (7)
Böse Liebe / Bad Love (8)
Narben / Self Defense (9)
Satans Bruder / The Web (10)
Wölfe und Schafe / The Clinic (11)
Survival Of The Fittest (12)
Monster (13)
Gnadentod / Dr. Death (14)
Fleisch und Blut / Flesh and Blood (15)
Das Buch der Toten / The Murder Book (16)
Blutnacht / A Cold Heart (17)
Im Sog der Angst / Therapy (18)
Bluttat / Rage (19)
Blutgier / Gone (20)
Post Mortem / Obsession (21)
Mordgier / Compulsion (22)
Knochensplitter / Bones (23)
Todesfeuer / Evidence (24)
Tödliche Lektion / Deception (25)
Todesschmerz / Mystery (26)
Rachenacht / Victims (27)
Der Knochenspieler / Guilt (28)
Killer (29)
Motive (30)
Breakdown (31)

Links
_________________

Homepage des Autors (englisch)
When the Bough Breaks auf books.google.de

_________________
Die Rezension wurde ursprünglich am 30. April 2014 hier veröffentlicht.

Kommentare:

  1. Huhu :-)

    vielen Dank für Deine ehrliche Meinung!
    Kannte die Reihe noch nicht.

    Liebe Grüße und noch einen schönen Donnerstag♡
    Tanja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey,

      danke für deinen Kommentar :)
      Ich bin auch nur zufällig auf die Reihe gestoßen. Diesen Band fand ich ein bisschen schwach, aber ich habe schon den siebten Teil ("Exit") gelesen und er hat mir wirklich gut gefallen. Ich habe noch vier weitere Bücher hier, mal schauen, wie ich die finden werde.

      Dir auch noch einen schönen Donnerstagabend!
      Liebe Grüße,
      Kerstin

      Löschen