Samstag, 28. Mai 2016

Rezension | Die "Chroniken der Schattenjäger" von Cassandra Clare

Arena | Hardcover | 576 + 584 + 616 Seiten | 978-3401064741 / 978-3401064758 / 978-3401064765
Originaltitel: The Infernal Devices

"Gewiss wäre es wundervoll, wenn wir alle genau wüssten, wer wir sind. Aber dieses Wissen erlangt man nicht von außen, es kommt von innen." // "Clockwork Angel", Seite 337

Reihenfolge der "Chroniken der Schattenjäger"


Clockwork Angel (1)
Clockwork Prince (2)
Clockwork Princess (3)
The Last Hours (Sequel, geplant)
Chroniken der Unterwelt (Sequel)
Die Chroniken des Magnus Bane
Legenden der Schattenjäger-Akademie
Die dunklen Mächte (Sequel)


Schon als Kind hat Cassandra Clare viel gelesen. Bücher waren ihre treuesten Begleiter in einer Zeit, in der ihre Eltern mit ihr durch die Welt zogen. Cassandra Clare lebte, noch bevor sie zehn Jahre alt war, in vielen Ländern, darunter die Schweiz, England und Frankreich. Nach dem College ging sie nach Los Angeles und New York, um für diverse Unterhaltungsmagazine zu schreiben. Die Welt von Britney Spears und Paris Hilton war jedoch nicht wirklich die ihre. 2004 begann Cassandra Clare ihren ersten Roman zu schreiben, inspiriert vom Bezirk Manhattan in ihrer Lieblingsstadt New York. Mit ihren "Chroniken der Unterwelt" war sie schnell so erfolgreich, dass sie 2006 den Job als Societyreporterin an den Nagel hängen konnte. Heute lebt sie mit ihrem Freund und zwei Katzen in Brooklyn, New York.


Verlagsseite | Clockwork Angel
— Graphic Novel
Verlagsseite | Clockwork Prince
— Graphic Novel
Verlagsseite | Clockwork Princess
— Graphic Novel
Seite zur Buchreihe (englisch)
Homepage der Autorin (englisch)
Bonus-Szenen (englisch, Spoiler für die ganze Reihe)

Buch 1: Clockwork Angel



London, 1878. Ein mysteriöser Mörder treibt in den dunklen Straßen der Stadt sein Unwesen. Ungewollt gerät Tessa in den Kampf zwischen Vampiren, Hexenmeistern und anderen übernatürlichen Wesen. Als sie erfährt, dass auch sie eine Schattenweltlerin ist und zudem eine seltene Gabe besitzt, wird sie selbst zur Gejagten. Doch dann findet sie Verbündete, und zwar im Institut der Schattenjäger. Dort trifft sie nicht nur auf James, hinter dessen zerbrechlicher Schönheit sich ein tödliches Geheimnis verbirgt, sondern auch auf Will, der mit seinen Launen jeden auf Abstand hält – jeden, außer Tessa. Tessa ist völlig hin und her gerissen, und weiß nicht, wem sie trauen soll. Schließlich sind die Schattenjäger ihre natürlichen Feinde.


"Clockwork Angel" hat mir sehr gut gefallen. Schon das Setting (das Viktorianische England) hat mich fasziniert und obwohl die Autorin sich einige Freiheiten genommen hat, fand ich die Atmosphäre überzeugend. Besonders mochte ich, wie mit den Geschlechterrollen gespielt wurde - die Schattenjäger geben den Frauen in manchen Bereichen mehr Rechte, was für die Protagonistin Tessa verwunderlich ist, aber dennoch sind sie keineswegs vollkommen gleichgestellt. Dies war für mich interessant, ebenso wie die Auszüge aus dem Codex, durch den wir mehr über die Kultur der Schattenjäger erfahren haben.

Sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und ich konnte zu den meisten von ihnen eine Bindung aufbauen. Besonders gefreut hat mich, dass auch Charaktere, die wir schon aus den anderen Büchern kennen, aufgetaucht sind (Magnus!) oder dass wir ihre Vorfahren kennen lernen konnten.
Die Figurenkonstellation ist auf den ersten und auch zweiten Blick zwar ähnlich wie in den "Chroniken der Unterwelt" und gerade Will hat zu Beginn einige Gemeinsamkeiten mit Jace, doch es gibt auch viele Unterschiede, die im Laufe der Geschichte immer klarer hervortreten. Alle drei Hauptpersonen (Tessa, Will und Jem) haben Stärken und Schwächen, Sehnsüchte und Geheimnisse. Im ersten Band haben wir schon einiges über sie erfahren, doch viele Fragen sind noch offen geblieben. Was genau ist Tessas Abstammung? Kann Jem geholfen werden? Was ist mit Wills Familie passiert? All diese Rätsel machen neugierig auf die nachfolgenden Bände und ich bin wirklich gespannt, wie die Autorin alles zusammenführen und aufklären wird.
Ich muss aber auch sagen, dass ich ein paar Schwierigkeiten mit Will hatte. Er ist mir, genau wie Tessa und Jem, ans Herz gewachsen, aber trotzdem verhält er sich stellenweise viel zu kalt und fast schon grausam, gerade Tessa gegenüber. Es hängt vermutlich mit seiner geheimnisvollen Vergangenheit zusammen, aber trotzdem ist es nicht richtig und hat dafür gesorgt, dass er mir etwas weniger sympathisch ist als die anderen beiden. Und ich befürchte, dass sein abweisendes Verhalten dafür gesorgt hat, Tessa in Jems Arme zu treiben... dabei hätte ich auf noch eine Dreiecksbeziehung wirklich verzichten können, aber vielleicht werde ich hier auch positiv überrascht werden.

Die Geschichte selbst ist spannend und fesselnd; von Anfang an ist alles geheimnisvoll und verzwickt, sodass mit jeder neuen Enthüllung neue Fragen auftauchen. Zudem gibt es einige Wendungen, mit denen ich gar nicht gerechnet und die mich sehr überrascht haben. Es hat mir gut gefallen, dass die Gegenspieler den Schattenjägern ein paar Schritte voraus sind und somit eine echte Gefahr darstellen. Die Bedrohung durch die Klockwerk-Menschen (diese 'Übersetzung' von Clockwork finde ich wirklich furchtbar) passt gut in die damalige Zeit.

Natürlich gibt es auch ein paar Klischees und kleinere Schwächen, aber diese haben mich nicht gestört. "Clockwork Angel" ist ein guter Einstieg in die Trilogie und ich bin gespannt, wie es weiter gehen wird.

Buch 2: Clockwork Prince



Tessa hat im viktorianischen London bei den Schattenjägern ein neues und sicheres Zuhause gefunden. Doch da wird die Leiterin des Instituts entlassen – ohne ihren Schutz ist Tessa Freiwild für den grausamen Magister. Zusammen mit den beiden jungen Schattenjägern Will und Jem versucht sie, das Rätsel um den Magister zu lösen und findet heraus, dass er einen sie ganz persönlich betreffenden Rachefeldzug führt. Als dann aber auch noch ein Dämon eine Warnung an Will überbringt, wissen sie, dass sie einen Verräter unter sich haben.


"Clockwork Prince" ist eine gelungene Fortsetzung. Die Geschichte ist nach wie vor spannend und wendungsreich, die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und wir erfahren auch einiges mehr über sie und ihre Hintergründe - vor allem in Bezug auf Will, der mir in diesem Band definitiv um einiges mehr als zuvor ans Herz gewachsen ist. Offene Fragen werden gelöst, nur um gleich neue aufzuwerfen. Kurz, der zweite Band der Trilogie war wirklich gut... bis auf eine Sache.

Wer mich und meinen Geschmack kennt, weiß jetzt natürlich, was kommen wird: die elende, unnötige Dreiecksbeziehung. Nach der Lektüre von "Clockwork Angel" war mir fast klar, dass die Geschichte sich in diese Richtung entwickeln würde, und leider hatte ich recht. Es ist mir relativ egal, mit wem Tessa am Ende zusammen kommen wird, da ich sowohl Will als auch Jem sehr gerne mag und beide (auf verschiedene Art) gut zu ihr passen, aber... wieso war es nötig? Für mich ist es nur ein ziemlich billiges Mittel, um 'Spannung' in die Romanze zu bringen, obwohl es dafür wirklich andere Methoden gibt. So werden doch nur alle verletzt und gerade die enge Verbindung zwischen den beiden Jungen wird darunter leiden, ob sie es wollen oder nicht. Jemand wird am Ende unglücklich sein und das will ich wirklich nicht. Leider bezweifle ich aber, dass meine ideale Lösung des Dilemmas - eine polygame Beziehung zwischen allen dreien - zustande kommen wird.
Gerade in der zweiten Hälfte des Buches stand dieses Hin und Her mir persönlich zu sehr im Vordergrund, weshalb ich bei meiner Bewertung einen halben Stern abgezogen habe.

Von diesem Kritikpunkt abgesehen hat mir "Clockwork Prince" sehr gut gefallen. Die Geschichte war spannend, emotional und stellenweise auch sehr unterhaltsam - es war alles dabei. Besonders toll fand ich aber, dass die Nebenfiguren sehr viel Raum bekommen haben. Magnus ist ja sowieso mein absoluter Liebling aus der kompletten Reihe, aber auch Henry ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich war froh, dass ihre Gefühle und Handlungen näher beleuchtet wurden.
Auch die Fortsetzung des Konflikts mit dem Magister war in meinen Augen gelungen und ich bin neugierig, was genau er eigentlich plant und was nun passieren wird.

Den dritten und letzten Teil der Reihe werde ich gleich beginnen. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie alles endet.

Buch 3: Clockwork Princess



Tessa Gray sollte glücklich sein – sind das nicht alle Bräute? Doch während sie noch mitten in den Hochzeitsvorbereitungen steckt, zieht sich die Schlinge um die Schattenjäger des Londoner Instituts immer weiter zu. Denn Mortmain hat eine riesige Armee zusammengestellt, um die Schattenjäger endgültig zu vernichten. Nur ein letztes Detail fehlt Mortmain zur Ausführung seines Plans: Er braucht Tessa.
Jem und Will, die beide Anspruch auf Tessas Herz erheben, würden alles für sie geben. Die Zeit tickt, sie alle müssen eine Wahl treffen.


Ich muss ehrlich sagen, dass der Anfang von "Clockwork Princess" für mich nicht wirklich spannend war. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber es kam mir vor, als würde ich eine lange Hinführung zu den eigentlich wichtigen Ereignissen lesen. Es war nicht langweilig - einiges ist passiert -, aber trotzdem konnte mich die Geschichte im ersten Drittel nicht hundertprozentig fesseln.
Der Rest des Buches hat das wettgemacht. Plötzlich ist unglaublich viel zur gleichen Zeit passiert, es gab mehrere spannende Konflikte (mit Verlusten), Wendungen und sehr emotionale Momente. Ich musste mehrmals weinen, was bei den ersten beiden Bänden der Reihe nicht der Fall war. Der Schmerz, den die Figuren erleben, und was sie alles durchleiden, hat mich sehr berührt. Gerade (Spoiler!) Jems "Tod" hat mich hart getroffen und die Emotionen, die das bei den anderen ausgelöst hat, waren beinahe greifbar. Clare hat die Gefühlswelt ihrer Protagonisten auf jeden Fall sehr gut herausgearbeitet.

Die ganzen offenen Fragen in Bezug auf Tessas Vergangenheit wurden ebenfalls beantwortet. Einiges war hierbei überraschend aber für mich hat alles Sinn ergeben und mir hat gefallen, wie alles zusammen gelaufen ist.

Wider Erwarten hat sogar der Umgang mit der Dreiecksbeziehung mir gefallen - ich mochte, wie Jem und Will damit umgegangen sind und dass sie es nicht zwischen sich haben stehen lassen. Die 'Lösung' allerdings lässt mich zwiegespalten zurück. Einerseits ist es ein ideales Ende (Spoiler!) : Tessa liebt beide Männer gleich stark und hätte sich nie zwischen ihnen entscheiden können. Dadurch, dass Jem zu einem stillen Bruder wurde und nicht mehr heiraten konnte, konnten Will und Tessa sein Leben zusammen verbringen - und nachdem Jem geheilt wurde, ist der Weg nun frei, damit sie den Rest seines Lebens miteinander teilen können. Tessa bekommt ihre beiden großen Lieben und beide Männer sind glücklich. Andererseits kam das alles mir doch konstruiert vor, so als wollte Clare einfach beide Seiten glücklich machen. Trotzdem denke ich, dass ich das Ende mag. Ich finde es immer noch schade, dass keine polygame Beziehung möglich war ;)

FAZIT
Insgesamt hat "Clockwork Princess" mir sehr gut gefallen. Nach einem vergleichsweise schwachen Einstieg wurde die Geschichte sehr spannend, sie war wendungsreich und emotional. Alle Handlungsstränge laufen zusammen und der Konflikt wird zufriedenstellend beendet. Die Figuren leiden, gehen aber gestärkt daraus hervor. Dazu gibt es nicht nur eine, sondern zwei Liebesgeschichten, die - trotz des nervigen Aspekts der Dreiecksbeziehung - beide sehr schön und bewegend sind.
Kurz gesagt ist "Clockwork Princess" ein guter Abschluss einer Trilogie, die ich sehr empfehlen kann.

Kennt ihr die Trilogie schon
und wenn ja, wie fandet ihr sie?

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